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Martina Kessel: Kunst, Geschlecht, Politik. Männlichkeitskonstruktionen und Kunst im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Frankfurt/M.: Campus 2005. 24,90 Euro.
Leseprobe von der Verlagsseite:
Künstler und Genie, Schöpferkraft und Männlichkeit,
diese Kategorien bilden ein
aufeinander bezogenes Verweissystem, das vielfach verästelt und
zugleich gebrochen ist. Kunst und Geschlecht wurden seit der
Renaissance meist zusammengedacht in der männlich konnotierten Figur
des Künstlers als dem singulären, kreativen Individuum. Dieser Mythos
vom Großen Künstler bzw. das Konzept männlicher Autorschaft verband die
Ansprüche auf Innovation, Authentizität und Autorität. Spätestens seit
dem 18. Jahrhundert diente diese Denkfigur ausdrücklich auch dazu, im
zweigeschlechtlichen Deutungsmuster der Moderne Konstruktionen von
Weiblichkeit und Männlichkeit in einer hierarchischen Beziehung
aufeinander zuzuordnen. Der Schriftsteller Carl Friedrich Pockels, der
1806 ein mehrbändiges "Charaktergemälde" über Den Mann verfaßte,
stellte die Verknüpfung von genialer Schöpferkraft und Männlichkeit
dabei in durchaus typischer Weise dadurch her, daß er kreative
Produktivität im Konstrukt von Weiblichkeit ausschloß.
Künstlerbiographien ebenso wie die Biographien von Künstlerpaaren
erwiesen sich im 19. und 20. Jahrhundert als ein weiteres wichtiges
Narrativ, um echte Kunst und Männlichkeit noch retrospektiv zu
identifizieren. Das konnte entweder der Entwurf einer entwicklungs
teleologischen Linearität sein oder aber die Thematisierung von
künstlerischer Krise und kreativem Bruch auf Seiten des Mannes. Auch
eine der wichtigsten visuellen Tropen in der Bildkunst, der
entkörperlichte männliche Blick und das nackte weibliche Modell, machte
die Differenzen in der Positionierung von Männlichkeit und Weiblichkeit
in der Neuzeit manifest.
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