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Arbeitskreis für interdisziplinäre Männer- und Geschlechterforschung -
Kultur-, Geschichts- und Sozialwissenschaften

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(© 1999-2009,
Erik Ründal)
 

 

Martina Kessel: Kunst, Geschlecht, Politik. Männlichkeitskonstruktionen und Kunst im Kaiserreich und in der Weimarer Republik. Frankfurt/M.: Campus 2005. 24,90 Euro.

kessel 2005

Leseprobe von der Verlagsseite:
Künstler und Genie, Schöpferkraft und Männlichkeit, diese Kategorien bilden ein aufeinander bezogenes Verweissystem, das vielfach verästelt und zugleich gebrochen ist. Kunst und Geschlecht wurden seit der Renaissance meist zusammengedacht in der männlich konnotierten Figur des Künstlers als dem singulären, kreativen Individuum. Dieser Mythos vom Großen Künstler bzw. das Konzept männlicher Autorschaft verband die Ansprüche auf Innovation, Authentizität und Autorität. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert diente diese Denkfigur ausdrücklich auch dazu, im zweigeschlechtlichen Deutungsmuster der Moderne Konstruktionen von Weiblichkeit und Männlichkeit in einer hierarchischen Beziehung aufeinander zuzuordnen. Der Schriftsteller Carl Friedrich Pockels, der 1806 ein mehrbändiges "Charaktergemälde" über Den Mann verfaßte, stellte die Verknüpfung von genialer Schöpferkraft und Männlichkeit dabei in durchaus typischer Weise dadurch her, daß er kreative Produktivität im Konstrukt von Weiblichkeit ausschloß. Künstlerbiographien ebenso wie die Biographien von Künstlerpaaren erwiesen sich im 19. und 20. Jahrhundert als ein weiteres wichtiges Narrativ, um echte Kunst und Männlichkeit noch retrospektiv zu identifizieren. Das konnte entweder der Entwurf einer entwicklungs teleologischen Linearität sein oder aber die Thematisierung von künstlerischer Krise und kreativem Bruch auf Seiten des Mannes. Auch eine der wichtigsten visuellen Tropen in der Bildkunst, der entkörperlichte männliche Blick und das nackte weibliche Modell, machte die Differenzen in der Positionierung von Männlichkeit und Weiblichkeit in der Neuzeit manifest.

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